Berichte über Aus- und Fortbildungsmaßnahmen

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Auftaktveranstaltung in Bayern
Neue Bundestrainer wollen sich mit den Landesverbänden austauschen
(22.12.16) Am 17. Dezember 2016 fand in Nürnberg am Landesleistungsstützpunkt ein Workshop mit den zukünftigen Bundestrainern Hannes Käsbauer (Bundestrainer Lehre/Wissenschaft) und Detlef Poste (Chef- Bundestrainer) statt. Das Referat Lehre & Ausbildung im DBV ist ab dem 1. Januar 2017 nicht mehr ehrenamtlich, sondern hauptamtlich mit dem Bundestrainer Wissenschaft/Lehre besetzt. In Bayern gab es den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, die in den kommenden Monaten bundesweit noch folgen sollen. Hannes Käsbauer: "Workshops dieser Art wollen wir den Landesverbänden anbieten. Dort wollen wir uns austauschen und gemeinsame Aktivitäten fördern." 
Bei dem eintägigen Workshop in Nürnberg kam es zum Austausch zwischen dem Bayerischen Badminton-Verband und dem DBV in Bezug auf die Lehre und Ausbildung von Trainern. Aus diesem Grund waren die Lehrwarte der bayerischen Bezirke und alle in der Lehre und im Leistungssport tätigen Trainer eingeladen.
Bei badminton-bbv.de gibt es einen Bericht von Lukas Gunzelmann.

Interne Fortbildung für HBV-Trainer am 17./18. Dezember 2016 in der Landessportschule Frankfurt

Spannende „Actiontypes“ mit Rainer Diehl

Von Paul Kuschmierz
(21.12.16) „Ich werde dieses Wochenende euer Weltbild in Bezug auf Trainingsprinzipien und dem Lehren von Bewegungen erschüttern.“ Mit diesen gewichtigen Worten begrüßte Rainer Diehl seine Fortbildungsteilnehmer, bestehend aus einem Großteil des HBV-Trainerstabs inklusive des Landestrainers Franklin Wahab.
Motorische Profile
Rainer Diehl, ehemaliger Talentteam Deutschland-Leiter U13/U15 und ehemaliger Cheftrainer des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, begann seine Fortbildung mit einer Einführung in die komplexen Strukturen der Methode „Actiontypes“, bei der durch verschiedene Tests versucht wird Menschen in vier grundlegend unterschiedliche Motorische Profile (R, G, C und D) einzuteilen. Hinzu kommen dann noch Energieprofile und die Tiefenmotivation eines jeden Menschens, was dann zu 196 Kombinationsmöglichkeiten führt, in welche Menschen eingeteilt werden können. Auf Basis dieser Analyse ergeben sich dann komplett unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf Bewegungslernen und Trainingsstruktur.
Genau hier setzt „Actiontypes“ an und fordert eine deutlich individuellere Herangehensweise der Trainer, da jeder Athlet seine ganz eigenen Bedürfnisse hat.
Problemstellungen statt Vorgaben
Gleich für alle Athleten bleibt jedoch, dass Formaufgaben („Schiebe beim kurzen Aufschlag deinen Schläger eher durch den Ball, sonst fliegt der Ball zu hoch über das Netz.“) durch Problemstellungen („Ich habe eine Zauberschnur knapp über der Netzkante angebracht, spiele bitte beim Aufschlag den Ball unter der Zauberschnur durch.“) ersetzt werden sollen. Die Idee ist, dass durch die offenere Lernsituation jeder Athlet seinen eigenen Weg finden kann, ein Problem auf dem Feld zu lösen, ohne in die engen Vorstellungen seines Trainers „gepresst“ zu werden. Soweit die Theorie.
Tests und Reflexionen
In der Praxis stand der gesamte Samstag ganz im Zeichen des Verstehens der verschiedenen Modelle und des Testens der HBV-Trainer. Jeder Trainer erhielt dabei sein ganz persönliches Profil. Im Verlaufe des Tages kam es hierbei immer wieder zu spannenden und kontroversen Diskussionen.
Am Sonntag wurden dann vormittags die Kaderathleten des HBV ebenfalls durchgetestet und nachmittags, nach einer kurzen Pizzapause, die gesamte Theorie der vergangenen Tage in einer Praxisphase erprobt. In Kleingruppentraining führte Rainer Diehl die Athleten durch den Nachmittag und zeigte den Trainern wie das Wissen über die Profile der Athleten genutzt wird. Im Anschluss gab es dann in einer Reflexionsrunde für die Trainer noch die Möglichkeit über das Wochenende zu sprechen und offene Fragen zu klären.
Insgesamt trugen neben der guten Stimmung im Trainerteam sowohl der spannende und vollkommen neue Ansatz der „Actiontypes“, als auch die sehr sympathische Art von Rainer Diehl dazu bei, dass es für alle Beteiligten ein produktives, aber vor allem auch sehr spaßiges Wochenende war.

Foto: HBV

Hörsaal mit Badmintonfeld bei der Coaching-Conference der IBF in Birmingham

Das Spiel findet im Kopf statt

La Rocca, Stephan - Trainer(14.9.03) Stephan La Rocca (Foto)  - deutscher A-Trainer aus Paderborn - besuchte die IBF-Coaching Conference, die am 1. und 2. August während der Weltmeisterschaft in Birmingham abgehalten wurde. Für badminton.de fasste er die angebotenen Beiträge zusammen:

Badminton-The Thinking Game - So der Titel der diesjährigen Coaching Conference, die, wie vertraute Gewohnheit, parallel zur Weltmeisterschaft stattfand.

145 Teilnehmer aus der 45 Ländern bildeten ein vielgefächertes und interessiertes Auditorium für die acht Referenten.

Morten Frost: Über das Erkennen von Spielmustern

Den Anfang machte Morten Frost, dessen Vortrag seine Coachingtätigkeit mit Poul-Erik Hoyer-Larsen umriss. Die Analyse eines Badmintonspielers durch Aufgliederung der notwendigen Fähigkeiten in "boxes", insbesondere die Berücksichtigung der mentalen Fähigkeiten und die Spielanalyse durch das Erkennen verschiedener Spielmuster, stellten den Schwerpunkt seiner Ausführungen dar.

Wie muss das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler beschaffen sein, welche Bedeutung hat Respekt und wie können Trainer die mentalen Stärken der Spieler fördern, waren Fragen, die beantwortet wurden.

Günther Huber: Über das Feld zwischen den Ohren

Im Anschluss begann Günther Huber seinen Referat mit der überraschenden Erkenntnis, dass das Badmintonfeld nur 20 cm groß sei.... dem Abstand zwischen den beiden Ohren. So konzentrierte er sich auf den Entscheidungsprozess des Athleten auf dem Feld. Eigenschaften, die diesen Prozess beeinflussen, die Trennung zwischen "Outer Game" (dem Spiel auf dem Feld) und dem "Inner Game", (der Selbstkontrolle des Spielers) und Möglichkeiten zur Entwicklung dieser Fähigkeiten waren Schwerpunkte. Bemerkenswert sein Mut zur faktischen Antwort auf die Frage, was den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage auf Weltniveau ausmacht; 25% Tagesform, 70% mentale, intellektuelle Stärke und 5% Schläge und Kondition.

Kirsten Barnes: Über Aktionen und Visionen

Kirsten Barnes, Doppel-Olympia-Siegerin im Rudern 1992, war die einzige sportartfremde Referentin, was aber ihre Ausführungen über die Sportpsychologie nicht minder interessant machten. "Visionen ohne Aktion sind nur ein Traum, Aktionen ohne Visionen sind Zeitverschwendung, nur Aktionen mit Visionen verändern die Welt".

Unter diesem Motto beleuchtete Sie die Trainingsmethoden der Sportpsychologie, die den Athleten im gleichen Maße fördern sollten, wie es auch Schlag- und Konditionstraining tun. Dabei ist die Rolle des Trainers begleitet von verschiedenen Aufgaben, beginnend mit simplen Anweisungen, über Verständnis, Unterstützung, Aufmunterung bis hin zur Rolle des Mentors.

Mit dem Verfahren des "Performance Profiling" stellte Sie einen Weg vor, wie dieser Trainingsprozess unterstützt werden kann.

Steve Baddeley: Über die Einstellung zum Training

Steve Baddeley, nach seinen Angaben der langsamste Einzelspieler, der jemals in den Top-Ten der Weltrangliste stand, kramte in seinen Trainingstagebüchern vergangener Zeiten und überraschte alle Teilnehmer mit der Leidenschaft, wie diese Bücher geführt wurden. So war es nicht verwunderlich, das seine Interpretation über "das denkende Spiel" auf der Einstellung des Spielers zum Training fundierte. Professionelle Einstellung im Training, sorgfältige Vor- und Nachbereitungen der Wettkämpfe, wie auch das strikte Verhalten auf dem Feld wurden von ihm eingefordert.

WM 2003 Coaching ConferenceWas ist Badminton?
Nicht nur ein Spiel
aus Bewegungen
und Schlägen.
Foto: Edwin Leung.

 

 

Finn Traerup-Hansen: Über Diskrepanzen und Intensitäten

Die Auswahl der einzelnen Trainingsübungen standen im Mittelpunkt der Präsentation des Performance Directors der Badminton Association of England, Finn Traerup-Hansen. Hier machte es sich bezahlt, dass die Organisatoren ein Badmintonfeld in dem Hörsaal zur Verfügung stellten. An Hand einiger praktischer Beispiele versuchte er die Bedeutung von offenen Schlagübungen, Übungen mit hoher Intensität und spielspezifischen Übungen hervorzuheben.

Allerdings beleuchtete Traerup-Hansen auch das Trainingsumfeld mit den immer wiederkehrenden Diskrepanzen zwischen Trainingsspielen oder Übungen, Gruppen oder Einzeltraining, Stützpunkt oder Vereinstraining und nicht zuletzt Qualität oder Quantität.

Dan Travers: Über das Geheimnis des Doppelerfolgs

Die Adaption des gesamten Erfahrenen auf die Besonderheiten der Doppel- und Mixed-Disziplin war dann Aufgabe von Dan Travers, Finalist im Herrendoppel der All England Championchips 1982. Sein Vortrag war gespickt mit Fragen zur Doppeltaktik, die er durch die gelungene Einblendung von Video-Sequenzen mit den passenden Spielszenen selber beantwortete. Spielbeobachtung kann so einfach sein! Die permanente Beobachtung der gegnerischen Stärken, Schwächen und Muster und die Kommunikation mit dem Partner stellte er als "Geheimnis des Erfolgs" dar. Derart sensibilisiert und motiviert war es für jeden Zuhörer ein leichtes, die nächsten Trainingseinheiten vorzubereiten.

Lee Jae-Bok: Über den Badmintonbaum

Den Abschluss und sicherlich auch einen allseits erwarteten Höhepunkt stellten die Ausführungen von Lee Jae-Bok dar. In einer moderierten Trainingseinheit mit den Spielern der Universität von Birmingham visualisierte er seine Philosophie der Badmintonfähigkeiten als Baum, dessen Wurzel in mentaler Stärke, Griffhaltung, Laufwege, Positionswahl im Feld und des Schläges, sowie die Schlagtechniken zuerst gestärkt werden müssen, bevor der Stamm, die Äste oder gar die Blätter trainiert werden können.

Ganz nebenbei philosophierte er über den Unterschied zwischen europäischer und asiatischer Sportkultur, dem Respekt des Spielers gegenüber dem Trainer und anderen Spielern.

Neil Cameron: Über die Pläne der IBF 

Zu erwähnen bleibt der Vortrag von Neil Cameron, dem Chief Executive (Generalsekretär) der IBF. Seine Folien erzählten von den Aufgaben, Erfolgen und Vorhaben der IBF und versuchten Badminton unter dem Gesichtspunkt der Olympischen Spiele und deren Vermarktung und TV-Präsenz in Relation zu anderen Sportarten zu setzen.

Fazit: Gelungene Mischung

Nach zwei kurzweiligen Tagen, jeder Menge Informationen und Anregungen sowie netten Kontakten innerhalb der internationalen Badmintontrainergemeinde, bleibt diese Coaching Conference in bester Erinnerung.

Die Ausstattung des Hörsaals mit einem Badmintonfeld und die stete Einblendung verschiedener Spielsequenzen durch den Beamer sorgten für eine gelungene Mischung von theoretischen und praktischen Transfer.

Während der Konferenz verspürten die Teilnehmer eine sehr angenehme Fragekultur und es kam zu keiner Sekunde der Eindruck auf, die Referenten würden vielleicht doch mit verdeckten Karten spielen. Alles in allem eine gelungene Conference, zu der für den deutschen Badmintonsport nur der ein oder andere deutsche Trainer gefehlt hat.

Nachfragen sind bei Autor Stephan La Rocca willkommen: s.la_rocca @ gmx.de.


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